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Aus Industrie
4.0 wird
MAHLE 4.0

Wie MAHLE die Digitalisierung intelligent für sich nutzt.

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Eine digitalisierte Produktionslinie in Montblanc, bei der auch analog umgedacht wurde: Hier gehen die Mitarbeiter zu den Komponenten, anstatt an einer Produktionslinie stehend die Komponenten zu sich kommen zu lassen.

Wie Mahle die Digitalisierung intelligent für sich nutzt — und welche Chancen sich daraus für Mitarbeiter und Kunden ergeben.

Die Welt steht uns offen – 24 stunden, sieben Tage die Woche, kompakt und leuchtend hinter einem kleinen Screen. Auch bei MAHLE an den Produktionslinien sind intelligente Computersysteme längst implementiert und werden als leuchtende Screens in den Händen der Mitarbeiter und an den Produktionslinien sichtbar. Welchen Mehrwert MAHLE für seine Mitarbeiter und Kunden durch Digitalisierung schafft, erfahren wir auf einem Gang durch die Produktionswerke in St. Michael in Österreich und Montblanc in Spanien. Dabei wird schnell klar, wie ein Unternehmen mit 100-jähriger Tradition wie MAHLE nicht von einem Tag auf den anderen digitalisieren kann – und es auch nicht muss. Außerdem, und das ist die beste Nachricht, braucht Digitalisierung vor allem eines: Menschen, die sie erfolgreich gestalten und begleiten.

Die Digitalisierung ist ein wichtiges Werkzeug, das uns hilft, schnell Neues auszuprobieren, ohne Zeit und Material zu verschwenden.
MANFRED JESCH,
Entwickler, MAHLE St. Michael, Österreich
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Manfred Jesch hat nicht lange gezögert, die Pappe aus der Hand zu legen und die Möglichkeit von Virtual Reality zu nutzen. Alles, was das Werk effizienter macht, zählt.

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Mit 4.0 schneller agieren

Pa-pamm. Pa-pamm. Pa-pamm. Der Amboss stampft laut im Werk von MAHLE Filtersysteme in St. Michael, als wollte er daran erinnern, dass auch er einst eine wegbereitende Innovation gewesen ist. Ein Stück weiter, durch die nächste Tür, wird es dann plötzlich ganz ruhig. In nur wenigen Schritten haben wir die alte Technologie hinter uns gelassen und stehen an der neuesten Produktionslinie, in der ohne großen Krach Ölfilter für die E‑Mobilität entstehen. Der Spagat zwischen den beiden Hallen aus unterschiedlichen Zeiten erzählt die Geschichte vieler Großunternehmen, die bereits seit Jahrzehnten die Mobilität gestalten.

Der Standortleiter Thomas Berg bringt diese Geschichte für das 50 Jahre alte Werk in St. Michael auf den Punkt: „So einen traditionsreichen Ort zu digitalisieren ist eine ganz andere Herausforderung, als heute einfach eine neue Halle auf eine grüne Wiese zu setzen.“ Der Frage, an welcher Stelle in der Produktion die Digitalisierung von Vorteil ist, folgt grundsätzlich immer eine große Frage vorweg: „Was macht uns denn und damit unsere Kunden erfolgreicher?“ Thomas Berg setzt gleich fort: „Industrie 4.0 ist erst mal nur ein Buzzword. Welche Themen stecken denn darin, die wir für uns sinnvoll nutzen können?“

Der softe Übergang zur Digitalisierung

Genau diese Frage kann keine Software, sondern nur der Mensch beantworten. Zum Beispiel Manfred Jesch, der seit 24 Jahren die Entwicklungen am Standort St. Michael miterlebt und mitgestaltet. Er ist unter anderem verantwortlich für das Cardboard Engineering und arbeitet heute mit einem ganz neuen Tool. Statt mit Karton und Kleber Prototypen für Arbeitsstationen und Produktionslinien zu bauen, hält Manfred Jesch jetzt zwei Controller in der Hand. Auf seiner Nase sitzt eine Virtual-Reality-Brille. Schwungvoll bewegt er die Arme und geht ein paar Schritte zur Seite. Auf einem großen Screen neben ihm ist zu sehen, was er baut. Als er sich dreht, fällt eine virtuelle Box von einer virtuellen Ablage. Trotzdem ist nichts passiert. Das kreative Gestaltungs-Tool auf Basis von Virtual Reality unterstützt das Team darin, Arbeitsplätze, Abläufe und Prozesse schnell zu modellieren, zu simulieren und zu analysieren. Ohne dabei weder Zeit noch Material zu verschwenden. Für ein solches Modell braucht es nur wenige Tage statt früher ein bis zwei Wochen. Erst danach wird der Prototyp gebaut – und zwar aus Karton. Hier in St. Michael nennt man das den „soften Übergang“ zur Digitalisierung. Nur wer versteht, was beim Einsatz digitaler Programme passieren kann, kann auch nachvollziehen, was es bedeutet, wenn die neuen Hilfsmittel mal ausfallen sollten. Denn das passiert auch mit dem besten Programm. Genau dann müssen Manfred Jesch und sein Team wieder Hand anlegen.

Wir können in Echtzeit sehen, was in der Maschine passiert, und unsere Produkte vor Fehlern schützen, weil sie so gar nicht erst entstehen.
FRANCISCO ALMAGRO,
Software- und Automatisierungsingenieur MAHLE Montblanc, Spanien
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Roboter, Software und der Mensch arbeiten im Einklang. Aufgaben werden neu eingeteilt und die Mitarbeiter an Stellen eingesetzt, wo sie neue Mehrwerte schaffen.

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Francisco Almagro (rechts) und Joan Andreu Boque treiben als Produktions- und IT-Experten die Vernetzung aller Maschinen in Montblanc voran.

Mit 4.0 immer hundertprozentig abliefern

„Er denkt nach.“ Rund 1.600 km südlich von St. Michael entfernt rollt eine Kiste mit Komponenten auf einer Produktionslinie und stoppt unter einer intelligenten Kamera. Roger Gombau, Leiter des MAHLE Werks im spanischen Montblanc, steht neben der Produktionslinie und tippt sich mit seinem Zeigefinger mehrmals an seine Schläfe. „So sieht es aus, wenn eine Maschine arbeitet – was bei der Software passiert, sehen wir nicht“, sagt Gombau. Kurz darauf rollt die Kiste nach links. Die nächste Kiste stoppt. Auf den ersten und auch zweiten Blick enthält sie exakt die gleichen Komponenten, aber die Kamera sieht mehr.

Die Kiste rollt nach rechts. Links, rechts, rechts, links, rechts. Die Produktion läuft. Und zwar unter den wachsamen Augen von MES, einem bei MAHLE global eingeführten System zur Fertigungsoptimierung. Die Software überwacht jeden einzelnen Prozessschritt und sichert dabei sämtliche Daten. All das erfolgt in einem Zusammenspiel mit Data Matrix Codes, die an jedem einzelnen Bauteil angebracht sind. Was in der haptischen Welt als simpler Aufkleber in Erscheinung tritt, ist ein Informationsspeicher, der alle wichtigen Antworten zur jeweiligen Komponente sichert.

MES stillt unsere Neugier. Wir können rund um die Uhr sehen, was in der Maschine und mit den Produkten passiert.

Francisco Almagro, Software- und Automatisierungsingenieur bei MAHLE in Montblanc, ist begeistert von der Entwicklung. „MES stillt unsere Neugier. Wir können rund um die Uhr sehen, was in der Maschine und mit den Produkten passiert. In Echtzeit können wir so sichergehen, dass wir immer beste Qualität liefern.“ Vor der Einführung von MES hatte das Team in Montblanc bereits eigene Lösungen entwickelt, um die Produktion zu verbessern. „Wir haben erkannt, dass es einiges Offensichtliches an der Produktionslinie gibt, das wir nutzen können. Bestimmte Manöver wie beispielsweise die Pause zwischen einem Bremsvorgang und der nächsten Bewegung. Muss die Pause so lang sein? Wie viele qualitativ hervorragende Komponenten schaffen wir in einer bestimmten Zeit?“ Francisco und sein Team haben aufgrund der Daten die Maschinen neu programmiert. Die Lösung gilt intern als Vorstufe von MES. Der Stolz dieser Eigeninitiative wird hier in Montblanc spürbar. Wer heute von MES spricht, spricht immer auch von Francisco und seinem Team.

Unsere Hauptaufgabe ist es, dem Team digitales Wissen zu vermitteln. Und jeden Tag dabei selbst zu lernen.
JOAN ANDREU BOQUE,
Computertechniker MAHLE Montblanc, Spanien
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Jared Sowa hat über die Jahre viele verschiedene Messtechniken kennengelernt: Messen mit Strahlen ist die neueste und liefert mehr Daten als je zuvor.

Das Bauteil ist beim Kunden, aber die Produktionsdaten haben wir. So können wir alles nachhalten, nachmessen und wissen mehr über das Bauteil als je zuvor.
JARED SOWA,
Leiter Messtechnik MAHLE St. Michael, Österreich

Mit 4.0 neue Welten entdecken

In St. Michael steht Jared Sowa, seit mehr als 15 Jahren bei MAHLE und zuständig für die Leitung Messtechnik, in einem hell erleuchteten weißen Raum. An fünf wuchtigen Maschinen bewegen sich feine Stäbe und messen tastend einzelne Komponenten. Dazwischen sitzen vereinzelt Mitarbeiter hinter Screens. Der eigentliche „Superstar“ des Maschinenparks steht unscheinbar in der hintersten Ecke: ein Computertomograf. „Im Bereich des Messens ist diese Maschine absolut State of the Art“, erklärt Jared Sowa stolz. „Mithilfe von Strahlentechnik können wir Bauteile zerstörungsfrei prüfen. Statt sie zu zerschneiden, durchleuchten wir sie und schauen hinein. Dadurch können wir viel mehr messen als zuvor.“ Jared Sowa legt gleich nach: „Und wenn wir ein Bauteil gemessen haben, können wir diese Daten ablegen und bei Bedarf sogar nur diese Daten messen. Das Bauteil ist nicht mehr nötig.“

Mehr Platz, mehr Informationen, zufriedene Kunden. Mit der Strahlenmesstechnik können Probleme an den Bauteilen schneller oder überhaupt erst richtig verstanden und gelöst werden. Als Jared Sowa die Tür des Computertomografen öffnet und sich das Innere offenbart, fällt der Blick auf einen Warnhinweis zum Strahlenschutz. Das läutet die Frage ein, wie sehr sich ein Beruf im Zuge der Digitalisierung verändert. „Ich lerne jetzt Strahlentechnik. Eigentlich bin ich heute zu 90 Prozent ein anderer Messtechniker als der Standardmesstechniker, mit dem ich gestartet bin.“ Er schmunzelt. Was dieses Lächeln bedeutet: „Die Digitalisierung bietet uns Mitarbeitern die Chance, noch mehr über die Prozesse und Materialien zu lernen. Manchmal fühlen wir uns wie ein digitaler Kolumbus, der für sich und unsere Kunden neues Land für innovative Lösungen betritt.“

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Cristina Barco war die erste Ingenieurin im Bereich Instandsetzung bei MAHLE in Montblanc und gestaltet den Wandel des Standorts seit 20 Jahren mit.

Wir müssen uns jeden Tag neues Wissen aneignen. Ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität sind das Wichtigste bei der Digitalisierung.
CRISTINA BARCO,
Ingenieurin MAHLE Montblanc, Spanien
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Digitalisierung ist Teamarbeit: Das Team in St. Michael bespricht dabei täglich die aktuellen Themen, diskutiert Lösungsvorschläge und tauscht sich aus.

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Mit 4.0 Profi im Umdenken sein

Cristina Barco war vor 20 Jahren die erste Ingenieurin in der Instandsetzung bei MAHLE in Montblanc. Digitalisierung bedeutet für sie vor allem eines: nie aufhören zu lernen, Neues zu denken, kreativ zu sein. Sowohl digital als auch analog. „Digitalisierung unterstützt uns, aber darauf ausruhen, dürfen wir uns nicht. Um besser zu werden, zählt jede einzelne Lösung.“

Sie zeigt auf eine Station gleich neben ihr. Parallel zur Implementierung von MES wurde die komplette Produktionslinie neu gedacht. So bewegen jetzt Mitarbeiter innerhalb einer Produktionslinie Rollwägen, um eine Komponente an verschiedenen Stationen zusammenzubauen. Während an den anderen Stationen die Komponenten zum Mitarbeiter kommen, gehen hier die Mitarbeiter zu den Komponenten. Cristina verzieht das Gesicht, als sie das Wort „Rollwagen“ sagt, und lacht. „Genauso waren damals unsere ersten Reaktionen. Denn die Idee klang zunächst wie ein Rückschritt. Aber wenn ich heute die Mitarbeiter frage, sind sie zufriedener, weil die Bewegung ihrem Körper guttut und den Kopf fit hält“, ergänzt sie. „So unterlaufen den Mitarbeitern viel weniger Fehler. Das zeigen auch die Daten von MES.“

Es ist die Chance, mit Digitalisierung eine professionelle Unterstützung zu haben, um MAHLE voranzubringen.

Im nächsten Moment stoppt ein Roboterarm neben uns. Es ist der kollaborative Roboter, der eine Mitarbeiterin bei der Arbeit unterstützt. Als sie ihn berührt, bleibt er stehen. „Die Mitarbeiterin hat das Sagen“, kommentiert Cristina. Entwickelt hat ihn das Team gemeinsam mit Francisco. Ein Screen über der Station zeigt jetzt die Zahl 4. Was bedeutet Industrie 4.0 also für MAHLE? Es ist die Chance, mit Digitalisierung eine professionelle Unterstützung zu haben, um MAHLE voranzubringen. Noch dynamischer, noch bessere Produkte für die Mobilität, noch zufriedenere Kunden. Denn von den besten Produkten und Lösungen profitieren alle. Dann, wenn Feierabend ist und sich der Mitarbeiter ins Auto setzt und nach Hause fährt, während die Digitalisierung bei MAHLE weiterarbeitet. Genauso, wie es der Mensch will.

Hier treffen langjährige Mitarbeiter mit unglaublicher Kompetenz auf junge Ingenieure mit ganz neuem Mindset. Wir stellen sicher, dass sie alle Ressourcen zur Verfügung haben, um ihre Ideen und Lösungen einzubringen. Und wir gemeinsam die Produktion nicht einfach digitalisieren – sondern erfolgreicher machen.
ROGER GOMBAU,
Werksleiter MAHLE Montblanc, Spanien

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