Geschäftsbericht 2020

Hands on

Frühjahr 2020. Das neue Coronavirus verändert alles. Kein business as usual mehr, stattdessen: Lockdown und Isolation, Quarantäne und Stillstand. Doch bei MAHLE bewegt sich was. Unter schwierigsten Bedingungen starten weltweit innerhalb weniger Wochen bemerkenswerte Projekte. Eine Kurzreise durch die MAHLE Welt in der frühen Zeit der Pandemie.
Es war eine sehr besondere Zeit.
Jack Huang,
Leiter HSE, MAHLE in Shanghai, China
+++ Januar 2020, Shanghai, China +++

Während in Europa noch unbeschwerte Après-Ski-Feiern steigen, zerbricht sich Jack Huang bereits den Kopf über den Umgang mit dem neuen Coronavirus. Als Head of Health Safety Environment für die Region Asien-Pazifik ist er verantwortlich für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten an mehr als 25 MAHLE Standorten in China. Ein Großteil der Belegschaften befindet sich in den Ferien zum chinesischen Neujahrsfest. Das erleichtert die Planung ein wenig, doch die Herausforderungen für Huang sind immens: Täglich gibt es neue Nachrichten über das Virus, dazu kommen immer strengere Vorgaben der Regierung. Die Region Hubei wird komplett abgeriegelt, ebenso weitere Provinzen. Es gibt unzählige offene Fragen. Wie infektiös und gefährlich ist der Erreger, wie verbreitet er sich, was ist zu tun, um den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen? Huang arbeitet in diesen Tagen von morgens bis spät abends. Er erarbeitet gemeinsam mit dem HSE-Team (Gesundheit – Arbeitssicherheit – Umwelt) Richtlinien für den Wiederanlauf aller chinesischen Produktionsstandorte, gemeinsam mit dem Einkauf sorgt er dafür, dass für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend Schutzmasken zur Verfügung stehen und unterstützt die Werke dabei, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher wieder in die Betriebe einzugliedern. Huang beobachtet die Lage in den jeweiligen chinesischen Werken und informiert das chinesische Management täglich über die Situation. „Es war eine sehr besondere Zeit“, sagt er heute.

Wie man Luft filtert, das wissen wir. Aber eine Schutzmaske zu entwickeln, das war echte Pionierarbeit.
Frank Rohde,
Leiter Filterelemente und Filtermedien, MAHLE in Stuttgart
+++ 21. März, Stuttgart, Deutschland +++

Ein Samstag. Frank Rohde macht sich um 4 Uhr morgens auf den Weg, um seine Tochter vom Frankfurter Flughafen abzuholen. Es wird der letzte Flieger aus Thailand, bevor die Flüge nach Deutschland eingestellt werden. Im Auto hört er die Nachrichten, die Corona-Lage spitzt sich zu: Frankreich macht dicht, Spanien ruft den Notstand aus, in Deutschland steigt die Zahl der positiv Getesteten rasant. Zwei Fragen beschäftigen den Leiter der Abteilung Filterelemente und Filtermedien. Erstens, wie bewältigt sein Bereich den drohenden Shutdown? Zweitens, was kann er mit seinem Team leisten, um den Kampf gegen das Virus aufzunehmen? Gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Jörg Rückauf reift über das Wochenende die Idee: „Wir müssen Schutzmasken herstellen. Mir war klar, dass unsere Filtermedien auch vor dem Virus schützen“, sagt Rohde rückblickend. Nur, wie baut man als Automobilzulieferer aus dem Stand eine Maskenproduktion auf? „Mit viel Einsatz nach der Methode ‚Trial & Error‘ sowie den richtigen Partnern.“ Drei Wochen lang widmet sich ein kleines, schlagkräftiges Team aus Österreich und Deutschland komplett dieser Entwicklung. Mit Hilfe von Papier und Tacker entstehen erste Schablonen, als Behelfswerkzeug taugt auch mal der Clip einer Toastbrotverpackung. „Wie man Luft filtert, das wissen wir. Aber eine Schutzmaske zu entwickeln, das war echte Pionierarbeit“, erinnert sich Rohde. Als zusätzlichen Partner gewinnt MAHLE den Unterwäschehersteller Triumph, der sein Know-how in Sachen Textilverarbeitung einbringt und parallel zur geplanten In-House-Fertigung Masken aus dem MAHLE Filterwerkstoff in seinen Werkstätten näht. „Atemmasken statt BHs“, lautet die Schlagzeile in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das ambitionierte Ziel, im Monat 1,5 Millionen Masken zu produzieren, wird rasch erreicht. „Wie wir das alles hinbekommen haben, war eine großartige, einmalige Erfahrung“, resümiert Rohde. Die Begeisterung ist bis heute spürbar: „Es gab für diese Unternehmung keine Schablone, alles musste im Team entwickelt werden. Ein solcher Erfolg schweißt zusammen und stärkt das interne und externe Netzwerk – auch weit über die Pandemie hinaus.“